Artikel vom 20. Dezember 2008
“Du sollst nicht stehlen” – Kein Motto der heutigen Generation?
Da ich intensiv kostenpflichtige Software entwickle – unter anderem auch für WordPress – und direkt von der Thematik “Softwarepiraterie” betroffen bin, hat mich eine im Netz aufgetauchte Ablichtung einer Hinweismeldung zum Nachdenken bewegt. Auf dem weiter unten dargestellten Screenshot ist das Bestätigungsfenster einer Anwendung zu sehen, welches Nutzer nach der Eingabe einer gestohlenen Seriennummer angezeigt bekommen. Frage: Schämen sie sich oder eher weniger?
Gibt der Schlaue nach?
Traurig: Die ewig andauernde Auseinandersetzung der Parteien (Softwarehersteller vs. Softwarepiraten) ist jetzt an dem Punkt angelangt, wo aktuell mindestens eine Anwendung aus dem kostenpflichtigen Segment illegal beschaffene Keys akzeptiert und die unterbrechungsfreie Nutzung der Software gewährleistet – und zwar mit Absicht.
Das Entwickler-Team dieser Applikation setzt starke Hoffnungen auf das aufgehende Bildschirmfenster mit Erklärungsversuchen: Auch wenn ein winziger Prozentsatz der Ganoven umdenkt und für die Lizenz bezahlt, können Gelder in Gehälter, Forschung und Entwicklung fließen. Das spiegelt sich wiederum an der steigernden Qualität und der zeitgemäßen Fortschrittlichkeit der Anwendung, wovon sicherlich allein der Endnutzer profitiert. Von nichts kommt nichts.

Meldung nach der Eingabe der geklauten Lizenznummer
Textliche Botschaft im Alert-Fenster
Ihr Registrierungscode ist ein gestohlener.
Wir können Hacker nicht stoppen illegale Codes zu generieren, deswegen akzeptieren wir jetzt Ihre Registrierung.
Sie müssen jedoch etwas wissen: Diesmal stehlen Sie das Geld nicht den “big guys”. In diesem Moment beklauen Sie einfache Menschen, die mit dieser Software ihr Lebensunterhalt verdienen.
An Hacker: Das Spiel können wir ewig spielen, doch es ist nicht mehr lustig. Je mehr Einbrüche, desto mehr Prüfungen. Warum hören wir nicht gleich damit auf? Wir nehmen bereits falsche Registrierungscodes an, was sollen wir noch tun?
Dann Schande über mich als Schließ-Schaltfläche…
Nachgefragt
Was ist eure Meinung dazu? Seid ihr bereit für kostenpflichtige Software zu zahlen oder greift ihr lieber auf die Seriennummern-Börse zu, um so bloß kein Geld für die notwendige Anwendung auszugeben?
[Der Autor] Sergej Müller ist enthusiastischer Software Engineer mit Schwerpunkten Webentwicklung und WordPress. Seit 2007 programmiert und vertreibt er wpSEO, das weltberühmte und patentierte SEO-Plugin für WordPress-Blogs.
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24 Kommentare zum Artikel
Ich finde dass man Software genau wie Hardware, oder sonstige “echte” (echt im Sinne von anfassbar) Produkte betrachten sollte. Wenn ich mit Leuten reden, die sich täglich die teuersten Vollversionen illegal irgendwo runterladen (nein, sie benutzen sie nicht mal) und man dann hört, dass sie meinen, dass es das Letzte ist im Laden zu klauen, dann frag ich mich, was da falsch gelaufen ist.
Es ist schon merwürdig, dass man heutzutage zur Minderheit gehört, wenn man sich z.B. Photoshop kauft. Naja, downloadet doch alle fleißig weiter, dann wird es für unsereins ja nur noch teurer.
Das kann ich sehr gut bestätigen: Trifft man sich Off- oder Online, wird man schief angeschaut, wenn man sagt, man habe gestern um die 100 € für eine Vollversion ausgegeben. Find ich immer schade solch eine Einstellung.
Klauen ist kein Kavaliersdelikt.
wenn ich ein solches plugin in einem kommerziellen (bzw. nicht werbefreien) blog einsetzen möchte, so bin ich der auffassung, dass man auch zahlen sollte. es wird ja keiner dazu gezwungen, das plugin einzusetzen.
Manchmal kann ich mich auch nur wundern, ich bin Hobbyknipser und wenn ich in Diskussionen schon geäußert habe: “ich nutze kein Photoshop weil ich es mir nicht leisten kann” ernte ich nur verständnisloses Staunen … da läuft wirklich etwas falsch.
Genau betrachtet kostet ein PC bis man ihn wirklich nutzen kann eben nicht 500 Euro wie in der Werbung angepriesen sondern ca. 1500 bis 2500 Euro bis alle Software bezahlt ist. Dass Hardware UND Software für die Nutzung notwendig und beides zu bezahlende Produkte sind, dieses Bewusstsein ist im Massenmarkt leider nie angekommen. Anno dazumal beim Kauf eines CD Spielers oder Plattenspielers kam niemand auf die Idee, dass die abzuspielende Musik umsonst zu bekommen sei. Dass die “Software kostet nix” Einstellung entstehen konnte liegt wohl auch an der Marketing-Strategie mit der die digitalen HW/ SW Produkte in den Markt gedrückt wurden. Das soll jetzt nur ein Stück Analyse sein – meine persönliche Meinung ist: “Software wird bezahlt” und ich finde die Aktion mit dem “Shame on me” Button gut.
ich nutze photoshop nur privat – daher hab ich mir die ‘elementare version’ gekauft, die man sich ja durchaus leisten kann.
ich bin durchaus ein befürworter der ‘freien kultur’ (opensource usw.), aber wenn etwas nicht frei ist, sollte man das respektieren (und ggf. auf freie alternativen ausweichen)
Ich kann da ganz klar darauf antworten: Für Software zahle ich immer und das sogar gerne. Es gibt ja schließlich keinen Grund, die Arbeit eines Entwicklers schlechter zu bezahlen als die eines Handwerkers…
Allerdings kann ich mir das auch leisten – und ich weiß auch, dass es mir irgendwann schon anders ging und ich dann auch lieber zwei Bier mehr getrunken habe, als eine Software zu registrieren. Und ein Photoshop wollte ich noch nie bezahlen. Nun ja, früher hatte ich dann halt auch mal ein geripptes auf der Festplatte. Jetzt weiche ich auf günstigere Lösungen aus, weil ich die Software eh nicht ausreizen kann. Denn wegen eines Programmers mache ich mir doch die Moral nicht kaputt.
Der “Shame on Me”-Button ist deshalb genial…
;-)
eric
Eric, freut mich, dass du vorbeigeschaut hast.
Danke euch allen für Kommentare…
Ich bin auch eurer Meinung, erstens leidet der ehrliche Käufer darunter, die Software wird noch teurer und bei Software sieht es nicht anders aus als mit anderen Sachen, klauen ist kein Kavaliersdelikt.
Aber auf der anderen Seite muss ich mich aber gerade fragen ob Adobe die deutschen User im wahrsten Sinne des Wortes verarschen will. Die deutsche Version kostet über das doppelte!
Die Adobe CS 4 Web Premium kostet in Deutschland 2260 Euro ohne MwSt. und in USA das gleiche nur 1700 Dollar.
So, dann rechne mal 19% auf den Nettopreis sind 430 Euro. Also insgesamt 2690 Euro. Für den Unternehmer ist die zwar egal aber für viele Private Nutzer nicht.
In den USA kommt keine Steuer drauf, solange du die Software Online kaufst und der Standort der Firma nicht der gleiche Staat ist in dem du wohnst. Also bleiben es bei den meisten Leute bei 1700 Dollar.
Dann mal den heutigen Umrechnungskurs nehmen, dann sind dann bloss 1220 Euro.
Das sind dann 1470 Euro mehr, also kannst du locker dir 2 Kopien auf englisch holen. Oder noch besser, buch einen Flug, hol dir die Software in den USA im Laden und mach vom Ersparnis 2 schöne Wochen in den USA und frische dein englisch auf damit du das Programm auch verstehst.
Also ich nenne sowas absolute Frechheit und durch sowas werden viele User regelrecht verführt sich die Software illegal runterzuladen.
Ich hab noch meine englische original CS 3, werde jetzt auch nicht upgraden, erst recht nicht auf deutsch, wenn dann sowieso nur auf englisch. Wie man so gerne im Werbefernsehen sagt, ich bin doch nicht blöd!
Aber das Gehalt von dem Übersetzer möchte ich mal sehr gerne haben. ;)
Es scheinen die letzten immer noch nicht begriffen zu haben, dass das Internet kein kostenloser Selbstbedienungsladen ist und das Software-Piraterie kein Kavaliersdelikt ist, sondern eine Straftat.
Software ist Ware und die Arbeit eine Dienstleistung. Und das muss man bezahlen, da erübrigt sich jegliche Diskussion.
@gabi: außer, es ist freeware ;-)
Die Idee mit dem Button ist eigentlich genial.
Oft werden illegale Serials ja auch nur eingesetzt um Programme zu testen. Was vielerorts auf den Markt geworfen wird wofür man hunderte oder sogar tausende von € zahlen soll, ist ein Witz!
…
Entwicklers schlechter zu bezahlen als die eines Handwerkers…
…
Ich weigere mich aber auch eine Arbeit eines Handwerkers zu bezahlen wenn er gepfuscht hat oder einfach eine unbrauchbare Arbeit abgeliefert hat. Versuch mal dein Geld von den jeweiligen Software-”Entwicklern” zurückzubekommen ;) Ebenfalls gilt das für gekaufte Ware in Geschäften etc. Der Großteil ist umtausch bzw zurückgebbar.
Ich bin für Einhaltung der Rechte der Hersteller, aber auch für die des Konsumenten! Also eine gute Idee das ganze für ehrliche Leute die die Software zuerst quasi Probefahren wollen.
Probetesten ok, aber dann bitte nicht die gefälschte Nummer eingeben, sondern kaufen oder sein lassen.
Kein Mensch stellt in Frage, dass Hardware Geld kostet. Warum das bei Software anders ist, habe ich noch nie wirklich verstanden.
Heutzutage gibt es kaum ein Anwendungsfeld in dem keine Freeware oder Open Source Produkte verfügbar sind. Zumindest der Privatanwender könnte sich heute komplett mit kostenloser Software ausstatten und ich sehe keine Nachteile gegenüber gekauften Produkten.
Ich glaube, dass die Sache mit dem Softwareklau einerseits ein quasi gewachsener Zustand ist aus Zeiten in denen es kein so breites Angebot an frei verfügbarer Softeware gab… und andererseits bleibt die Tatsache, dass es (technisch) möglich ist Software zu kopieren und zu cracken, auf ewig verlockend.
Aus meiner Sicht ist MS nur aufgrund geklauter Software sooo groß geworden… und der Siegeszug von Linux andererseits kann nur damit erklärt werden, dass es kostenlos und quelloffen war/ist.
Dennoch gibt es sicher einen Weg dazwischen. Software nur für die kommerzielle Nutzung kostenpflichtig zu machen, finde ich beispielsweise einen ganz klugen Ansatz. :-)
Die vielen Klagen über zu teure Software (z.B. Adobe) weisen auch einen Weg. Ich glaube daran, dass mit einer vernünftigen Preispolitik auch sehr viel zum Guten gewendet werden könnte. Wenn der Aufwand eine gecrackte Software zu bekommen und diese auch zum Laufen zu kriegen nicht mehr im Verhältnis steht zum Preis, dann wird man diese viel eher kaufen… denke ich.
Hi Ho,
ich habe das Problem zwar nicht wirklich, da ich bisher alles was ich brauche mit Open Source Software abdecken kann, bin aber auch der Meinung, dass man kostenpflichtige Software bezahlen sollte, da hier doch auch eine Menge Arbeit drinne steckt (was auch bei OpenSource so ist, aber hier steckt halt ein anderer Gedanke hinter).
Um einmal auf Thor zu sprechen zu kommen, die meisten Software Entwickler bieten Trial Versionen an, die man auf Herz und Nieren Testen kann und dann erst eine Kaufentscheidung fällen muss. Man kann die meiste Software also erst testen, bevor man sie kauft und braucht dazu keine geklaute Software.
viele grüße
sven
Hi,
meiner Ansicht nach ist das alles Blödsinn. Man kann nicht sagen das man alle Software kaufen muss. Das betrifft nur Leute die das Geld für so eine Investition haben. Nicht jeder hat mal 400€ für Photoshop oder für Dreamweaver. Die Softwarepiraterie ist für die kleinen Leute. Das Firmen so etwas nicht machen dürfen steht für uns alle hier fest.
Ich bin zum Beispiel jemand der Opensourcesoftwareentwicklern Geld spendet um diese Schiene zu unterstützen. Das ist die Software der Zukunft.
Ich sehe es nicht ein großen Firmen wie Microsoft Geld in den Rachen zu werfen. Wie gesagt denkt mal an die kleinen Leute und nicht nur an euch selbst. Dank der Piraterie gibt es einige Sachen kostenlos zu erhalten die man als Normalnutzer noch nichteinmal anschauen würde.
Ich finde Piraterie wichtig auch wenn es den Firmen schadet. Jeder muss selbst wissen was er runterlädt oder auch nicht.
Kauft es oder klaut es. Seid froh das Ihr das Geld habt. Denkt an die Anderen. Helft der Opensourceindustrie und protzt hier nicht so rum. Bin mir sicher der ein oder andere hier hat schonmal irgendetwas gecrackt oder zumindest nicht legal erworben. Tut einfach nicht so….
Hmm, doch wenn wir jetzt alle aufhören Software zu kaufen und unterstützen finanziell nur noch OpenSource-Produkte, dann steuern wir ja nur aktiv bei, ein Monopol aufzubauen. Und ich glaube, das wünscht sich keiner…
Nö, da sehe ich keinen Zusammenhang. Linux ist OS, aber vom monopol weit entfernt, OpenOffice ist auch OS und kein Monopol in Sicht, WordPress genauso. Das einzigen wirklich schädlichen Quasi-Monopole sind M$, Google und Wikipedia.
Naja, ich hab nur Angst, dass bald nur noch Wikipedia, OO und Linux gibt. Der Rest geht Bankrot und wird eingestellt.
ich glaube, dass open source nicht gerade gut in unsere kapitalistische wirtschaftslandschaft passt, eher gehört es zu einer neuen (postkapitalistischen) art des wirtschaftens bzw. noch etwas weiter gedacht, gar zu einer neuen gesellschaftlichen struktur.
@Sergej. Die Befürchtung habe ich nicht. Es gibt ja auch viele verschiedene Linux-Distris. OS sind sie alle, aber keine davon hat es bisher geschafft, sich ein Monopol zu erarbeiten.
@steffino: OS passt sehr gut in unsere Wirtschaftslandschaft. Es gibt nicht wenige, die damit gutes Geld verdienen.
>> die damit gutes Geld verdienen
Und hoffen sicherlich auch, dass ihre Leistungen bezahlt werden.
Es gibt Leute, die mit OpenSource Geld verdienen ? Dann ist die Software aber auch nicht mehr OpenSource.
OpenSource ist grundsätzlich kostenfrei im Internet erhältlich. Sowohl in kompilierter Form, als auch die Quellcodes.
Und jetzt nenn mir eine Einnahmequelle, die aus OpenSource Software hervorgeht.
Ich kann proprietäre Addons für Firefox entwickeln – dann ist mein AddOn kostenpflichtig – dadurch bleibt Firefox selber aber kostenfrei und quelloffen (OpenSource)
Klar kann man mit OSS verdienen – Support ist das Stichwort!
Jedenfalls:
Ich weiß nicht woher diese Überzeugung kommt, dass man an einmal geleisteter Arbeit ewig verdienen können sollte. Ich schreibe eine Software, für diese Leistung muss ich entlohnt werden – mehr nicht. Das selbe gilt imho für jegliche Art intellektueller Leistung.
Kurz: Wenn Software kopieren Diebstahl ist (als wäre es etwas materielles), dann ist Software zigtausendmal verkaufen Betrug (schließlich kann man materielles auch nur einmal verkaufen). Vielleicht sollte man einfach nicht mehr die gleichen Maßstäbe anlegen…
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